RUMstag | Visuelle Unterstützung bei der Selbstreflexion


Hach, wie schön, heute ist wieder RUMstag! Mal ganz unter uns - ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis zu linkparties. Einerseits ist es echt toll, weil man so viele nette, kreative Köpfe kennen lernt. Andererseits fühlen sich die Themen manchmal ein wenig an den Haaren herbei gezogen an. Ich sitze dann meist etwas ratlos vor der Tastatur und überlege mir, ob ich mich wirklich verlinken oder gar extra einen Artikel für diese linkparty verfassen soll. Das geht euch bestimmt nicht anders, oder?

Zu anfangs habe ich auch lange überlegt, ob ich beim RUMstag mitmachen soll. Ich dachte mir, "noch eine DIY-linkparty...". Nachdem ich einige Beiträge durchgelesen und überflogen hatte, war mein Eindruck aber ein anderer. Ja, ok, viele der Beiträge sind einfach nur DIY-Projekte, getarnt unter dem Deckmantel "das habe ich nur für mich gemacht, weil ich, Frau, mir heute etwas Gutes tun will". Dazwischen findet man aber tatsächlich schöne Beiträge, die sich mehr mit dem Aspekt "ich will mir etwas Gutes tun" befassen. Das wiederum finde ich schön.

Ja, eigentlich sollten wir alle uns mehr um unsere Nächsten kümmern und uns selbst hinten anstellen. Aber, once in a while, ist es doch mal nicht schlecht sich ein bissl um die eigene Seele zu kümmern - schließlich kann man sich nicht um andere kümmern, wenn es einem selbst nicht gut geht, gell. Man soll ja auch sich zuerst die Atemmaske im Flugzeug überziehen und dann erst den Sitznachbarn helfen, denn ohne Sauerstoff, bringen wir den Leuten drum rum auch nicht viel.

Also, kümmert sich Fräulein Mimi heute mal um sich. Aber nicht mit einem DIY-Projekt, sondern mit etwas, das sie schon sehr lange in der Schublade liegen hat.



Vor unserem Umzug habe ich bei SperlingB  - da wo ich auch die schicke Schöne-Tage-Box her habe - ein 100-Tage-Poster bestellt, damit Professor M. und ich die Zeit nach unserem Umzug zusammen reflektieren können und eventuelle Unstimmigkeiten beseitigen. Letzteres war lustigerweise nicht nötig, also verpasste das Plakat seinen Einsatz.


Wie einige von euch, die meinen Blog schon länger verfolgen, wissen, befinde ich mich gerade in einer Phase der Analyse: Ist das der richtige Job für mich? Fühle ich mich damit mehr krank als gesund? Macht mich das langfristig kaputt? Alles Fragen die gut durchdacht sein müssen, denn man schmeißt ja nicht einfach so seinen Job hin, wenn man so viel Zeit dafür investiert hat. Davon abgesehen, habe ich noch keinen Plan wie es danach weiter gehen könnte - aber das ist eine andere Geschichte.

Nun kam mir die Idee, dass ich das SperlingB-Poster nutzen könnte, um die nächsten 100 Tage für mich zu evaluieren. Schreiben ist müßig, aber bunte Sticker aufkleben ein Vergnügen. Warum also nicht?




Das Prinzip ist recht einfach:
Das Poster kommt blanko daher. Es gibt sechs Farbkategorien mit jeweils einem Sticker-Bogen. Für jede der Farben kann man sich eine Bedeutung überlegen. Sperling B liefert dazu einige Ideen mit.
Danach könnt ihr einfach jeden Tag einen passenden Sticker auswählen und auf euer Poster aufkleben - je nach Laune.

Am Schwierigsten war es für mich die sechs Kategorien zu bestimmen. Sie müssen sich ja klar von einander unterscheiden lassen und sich irgendwie steigern. Das hat einiges an Zeit in Anspruch genommen und meine Hirnzellen ein wenig zum Rauchen gebracht. Im Nachhinein bin ich aber recht Zufrieden mit meinem Ergebnis. Die Farben habe ich so geordnet, dass sich fröhliche, leichte Farben, die ich sehr mag im positiven Bereich wiederfinden und alle anderen Farben den negativen Bereich abdecken.
Ich glaube, dass ich die Kategorien "Unterricht ok, Schüler nerven" und "Ich will kündigen" austauschen werde. Das grelle Pink wirkt zwar auf Distanz eher fröhlich, hat aber auch etwas von Aktion und ist aggressiver als das zarte Grau. Letzeres passt doch dann eher zu "ist ok, aber es nervt". Oder? Hm...schwierig. Was meint ihr? Farben tauschen?



Nachdem die Kategorien festgelegt sind, muss nur noch ein schönes Plätzchen gefunden werden. Praktischerweise an meiner "Kinderzimmer-Tür" - da kommen auch die Katzen nicht dran ; )



Heute war mein Unterricht also Grün, d.h. durchwachsen - mal richtig gut, mal naja, geht so. Aber es gab auch einen kleinen Moment in dem ich mal wieder gerne Lehrerin war - und das ist in letzter Zeit eher selten. Zu Gelb fehlt allerdings noch ein bissl was ; )

Besonders schön finde ich das Konzept, weil ich einmal am Tag dazu gezwungen werde einen Standpunkt zu beziehen. Es gibt sechs Kategorien, aber keine Zwischentöne. Die Antwort muss also ganz klar ausfallen. Damit tue ich mich sonst sehr schwer, denn ich eiere gerade zwischen "ach ist doch alles nur halb so schlimm" und "war nicht so toll, aber es gibt schlimmeres" herum. Zwischendurch habe ich dann wieder Phasen des Selbstzweifels, in denen ich am liebsten meinen Job sofort kündigen würde, wenn ich wüsste, was ich als nächstes mit meinem Wissen und meinen Fähigkeiten anfangen könnte. Ich finde es gut, dass ich mit diesem Color-Code ganz klar jeden Tag definieren muss, wo ich gerade stehe.

Ehrlich gesagt bin ich gespannt, ob ich es die nächsten 99 Tage durchhalte und falls ja, wie mein Farbmuster danach aussieht - eher trist, grau und lila oder doch eher ein wenig blau und grün? Es bleibt spannend. Ich halte euch auf dem Laufenden : )

Ich glaube das Plakat kann man auch gut selbst nachbasteln, wenn man die nötigen Utensilien hat. Einen Bogen, ein paar Kreise aufmalen oder vielleicht auch andere Formen. Dann ein paar farbige Stifte zur Seite legen (müssen ja keine Sticker sein) und ran geht's ans Ausmalen. Et voilà, die kostengünstige Alternative.

(Memo an mich: Unbedingt auf meine To-Do-Liste schreiben. Ist bestimmt auch ein nettes Geschenk für liebe Menschen.)

Was tut ihr am RUMstag um eure Seele zu kitzeln?

Es grüßt,
die Mimi

- - - - - - - - - - - - - - - - - -

Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung wieder
und wurde nicht gesponsert.


Share this:

ABOUT THE AUTHOR

Wer ist Mimi, wenn sie nicht gerade Mimi ist? Ohne die Anonymität zu brechen, so viel sei gesagt, Mimi kommt ursprünglich aus der Werbebranche und beschäftigt sich nun schon seit vierzehn Jahren mit Gestaltung. Dabei kommt ihr meist Miss Perfect in die Quere, die gerne alles auf Anhieb optimal haben will, was - wenn wir mal realisitisch sind - selten der Fall ist. Fräulein Mimi gestaltet daher selbst nicht gerne, denn meist dauert es Ewigkeiten, bis Miss Perfect zufrieden gestellt ist. Dann startete Mimi diesen Blog, um einerseits zu lernen Miss Perfect unter Kontrolle zu halten und andererseits wieder Spaß am Gestalten zu bekommen. Die Schlacht geht weiter...

12 Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Text und eine gute Idee, die Sticker zum Einschätzen zu benutzen. Man hat immer so viel vor und will so viel ändern, toll, dass du es anpackst! Fühle mich motiviert!
    Liebe Grüße, Kirsten

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank, liebe Kirsten! Die Idee ist zwar nicht von mir, aber ich finde die Vorgehensweise so toll, dass ich unbedingt darüber berichten muss. Tagebuch-Führen ist halt einfach nicht so meins - aber Sticker kleben, geht immer mal zwischendurch ; )

      Es grüßt,
      die Mimi

      Löschen
  2. Du sprichst mir gerade aus der Seele ;-) Ich bin auch Lehrerin und auch gerade in der Phase wo ich mich frage, ob der Job der Richtige für mich ist. Ich unterrichte an sich gerne, aber ich finde den Job immer schwieriger, weil die Aufgaben immer mehr werden, die Anzahl der Schüler immer grösser und wir nicht mehr nur ein Wissen vermitteln. Dein Bogen ist eine tolle Idee und ich kann es mir auch recht einfach basteln, um einen Überblick zu bekommen! Ich könnte mir schon vorstellen, einen anderen Job auszuüben, aber Vollzeit weiss ich auch nicht. Ich frage mich auch ob der Job richtig ist, aber ob ich einfach reduzieren sollte, oder ob ich richtig was verändern sollte,weiss ich immer noch nicht, aber ich bin mir sicher, die Antwort kommt, irgendwann und bis dahin mach ich mir einen Boden mit bunten Farben! DAnke für den Tipp und ja, ich bin deiner Meinung, einen Job schmeisst man ja nicht so einfach ...
    Liebe Grüsse,
    Nathalie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Nathalie,
      ich bin gerade ziemlich geplättet! Finde es toll jemanden gefunden zu haben (naja, eigentlich hast du mich ja gefunden), die meine Situation so treffend beschreibt und nachvollziehen kann. Ich bin ganz deiner Meinung - es wird immer schwieriger. Und ich ärgere mich immer häufiger über ignorante Menschen, die immer noch meinen LehrerInnen seien überbezahlt und haben zu viel Urlaub. Das was wir da tun hat leider mittlerweile wenig mit Unterricht zu tun. Vielmehr sind wir Zuhörer für private Probleme und müssen uns immer stärker mit den Alltagsproblemen unserer SchülerInnen auseinander setzen. Ich komme mir manchmal weniger wie eine Pädagogin vor, sondern eher wie eine Psychologin oder zumindest Sozialpädagogin.
      Ich fände es schön, wenn wir Kontakt halten könnten um uns auszutauschen und werde in den nächsten Tagen mal auf deinem Blog vorbei und nach einem Kontaktformular Ausschau halten ; ) Dann kann ich dir auch ausführlicher antworten.

      Vielen Dank, dass du über mich gestolpert bist!
      Es grüßt,
      die Mimi

      Löschen
  3. Die Sticker sind toll! Ich mag Sticker ja gern und die Idee für die Organisation ist auch super! Viele Grüße und einen schönen Samstag, Kathrin*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Kathrin,
      ja, Sticker sind was Feines, gell ; ) Ich glaube Kids von heute haben keine Sticker-Alben mehr, aber wenn ich mich damals an meine gesammelten Werke (Leuchtende Teddybären usw) erinnere - hach, ich mochte den Geruch dieser Alben unheimlich gern ; )

      Löschen
  4. Das ist eine tolle Idee! Zur Zeit grübele ich auch mal wieder über meinen Job. Das wäre eine gute Möglichkeit, alles gezielter zu reflektieren.
    Liebe Grüße, Kirsten

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nach den ersten Tagen muss ich ehrlich sagen, so schlimm wie ich es mir immer ausmale empfinde ich es nicht immer. Ich hab das Gefühl diese Herangehensweise relativiert vieles. Bin gespannt, wie es damit weitergeht.

      Liebe Grüße zurück,
      die Mimi

      Löschen
  5. Was für eine großartige Idee! Das wäre genau das Richtige für mich. Muss ich mir unbedingt mal anschauen. Danke für den Tipp!

    Und zu den Blogparties: Ich mag die auch sehr gerne, aber manchmal überfordern sie mich auch. Deswegen mache ich nur noch ganz sporadisch und spontan mit. Immer dann, wenn's für mich passt und ich Lust darauf habe.

    Liebe Grüße
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da machst du glaube ich etwas grundlegend richtig. Ich muss ja ehrlich sagen, ich schiele schon mal öfters nach Linkparties - man lernt da einfach so viele nette Leute kennen. Andererseits glaube ich, würde es mir manchmal ganz gut tun, mal nicht mitzumachen, sondern einfach zu bloggen, wenn mir der Sinn danach steht, so wie du.

      Danke dir für den Impuls : )

      Löschen
  6. Ich habe den oberflächlichsten Kommentar des Tages für dich: Die Farbe von deinem Nagellack ist total super! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. *lach* Da musste ich direkt noch mal nach gucken. Der heißt übrigens "Working Girl" - schick, ne? Ich hab als Jugendliche blauen Nagellack geliebt! Irgendwann hatte ich dann nur noch meine "Nägel müssen natürlich aussehen"-Phase, bis meine Fingernägel genug von Nagellacken hatten und in den Streik getreten sind (spröde Fingernägel). Mittlerweile (nach zwei Jahren Pause) geht es den Nägeln wieder richtig gut, und daher darf auch wieder Farbe drauf ; ) Es gibt ja mittlerweile die ganze bunte Palette von oben bis unten. Deshalb hatte ich letzte Woche einen Kaufrausch - und "Working Girl" durfte auch mit ; )

      Löschen